Monday, 29 September 2008

DER AUFBRUCH

Auckland, Anzac Street
Montag, 29. September 03:14
S36 50.800 E174 46.313

Zweimal raus hier bitte, aber schnell…
Die Ereignisse der letzten Tage waren schlichtweg erschlagend, fraßen uns bodenlose Löcher in den Bauch und nagten an unserer Lebensfreude. Es begann mit einem ausgeprägten Lachen in Daniels Gesicht als er in seinen 2 freien Tagen das Kajak abholte und unter wolkenlosem Himmel in den nächsten Fluss warf. Ein schöner Tag.

Im zähen Verkehrsfluss der Innenstadt fuhr das Kajak auf dem Autodach Richtung Mietwohnung. Irgendwie muss es für eine Weile da rein. Auf der Straße ist es nicht sicher. Knapp 4 Meter Kajak wollen aber nicht das Treppenhaus passieren und schon gar nicht die Haarnadelkurve im Flur. Deshalb folgte eine kleine Improvisationsshow im Berufsverkehr. Das knallblaue Boot wandert per Seil vom Auto über das Vordach die Hauswand entlang und verschwindet im Wohnzimmerfenster. Leider geht eine Scheibe dabei drauf. Scherben bringen Glück? Vielleicht hätte ich noch mehr zerbrechen sollen. Es gab nämlich einen Termin für eine Wohnungsbesichtigung der Hausverwaltung in 2 Tagen.

Halb so wild. Erst mal auf Arbeit. Wegen eines unbezahlten Drinks zum stolzen Preis von 4,50$ an einen anderen Mitarbeiter gibt es Ärger. Ein Ärger den keiner so richtig fassen kann. Drei Tage (!) wird debattiert und bei einem entscheidenden Gespräch muss ich doch sogar schmunzeln. Hätte ich meine Beurteilung doch nur etwas eher beantragt. Mit großem Trara werde ich 5 Tage vor eigentlichem Arbeitsschluss gekündigt. Das Exempel ist statuiert. Ich hatte alle Schuld auf mich geladen und damit einem Kollegen den Job gerettet. 5 Tage ist kein großer Verlust, doch die Nerven sind blank und die brennende Wut wird im Pub nebenan samt Kollegen ertränkt.

Zumindest habe ich nun etwas Zeit um Nicole mit Ihrem Job zu helfen. Wir haben herausgefunden, dass sich ihr Arbeitgeber die Steuern wahrscheinlich in die eigene Tasche steckt anstatt sie zu bezahlen. Nicht nur, dass er Sie damit vom Gehalt her betrügt – Bei einer Steuererklärung würden wir dann für seine Fehler zur Kasse gebeten. Irgendwas ist faul, der Chef ist förmlich auf der Flucht vor Nicoles Fragen und setzt sie 3 Tage vor ihrem letzten Arbeitstag vor die Tür. Deja vu? Willkommen bei den Arbeitslosen. Wir hetzen Ihm die Steuerbehörde und diverse Vereinigungen hinterher und hoffen nun auf eine Lösung. Und wir können uns zusammen um andere Probleme kümmern. Das abgeschleppte Auto zum Beispiel.

Die kreativen Leute vom Bau hatten einen Meter hinter unserem Auto ein Parkverbotsschild aufgestellt und die nächste Abschleppbude hat sich das Auto gekrallt. Und mir wäre schon fast langweilig geworden. Unser knallroter Van findet sich mit Hilfe der Polizei aber noch in der selben Nacht und wartet nun so gespannt wie wir auf den Startschuss. Morgen irgendwann. Wenn nichts dazwischen kommt. Das Kajak muss ja noch irgendwie die Hauswand runter. Bloß nicht an die Scheibe kommen! Der Kitt ist noch frisch…

pics: (1) highway bridge (2) das hektische, belgische Restaurant (3) Nicoles Gemisch-Laboratorim (4) das erste Bild vom Kajak aus (5) Stadtlandschaft

Saturday, 13 September 2008

AUCKLAND UPDATE

Auckland, Anzac Street
Sonntag, 14. September 01:02
S36 50.800 E174 46.313


Wir hängen immer noch in Auckland fest, doch die Tage sind gezählt. 2 Wochen bis zum Start. Da es zur Zeit keine abenteuerlichen Neuigkeiten gibt, folgt ein kleiner Einblick in unser Stadtleben.

Auckland, das endlose 1,2 Millionen Einwohner Dorf, ist das Zentrum der Nordinsel und könnte leicht als Hauptstadt Neuseelands verstanden werden. Mit all seinen Stadtteilen und Vororten erstreckt es sich über die ganze Inselbreite, umstellt einige natürliche Häfen und endet an manchen Enden wie abgeschnitten mit grünen Hügeln und kurvenreichen Landstraßen. Die Innenstadt ist hektisch und laut, doch beschränkt sich das städtische Treiben hauptsächlich auf einen Block, oder besser gesagt auf eine Straße, die Queen Street. Schnell findet man sich zwischen dem Mix aus endlosen Glasfassaden gefangen, kennt jede Gasse und jedes Schaufenster. Man weis genau wo das Sushi ab um 5 nur noch die Hälfte kostet, kennt jede Abkürzung zur Arbeit und erkundet in der knappen Freizeit die Regale der nächsten Videothek. Zu allem Übel hat sich vor unserem Haus noch eine Grossbaustelle angesiedelt, die nicht zu überhören ist. Die kreativen Leute vom Bau zaubern fast täglich ein neues Bauzaun-Labyrinth zu unserer Haustür oder ärgern uns mit Presslufthämmern und Asphaltfräßen. Die freie Zeit reicht meist nicht für größere Unternehmungen, doch haben wir ein paar der rauen Strände der Westküste besucht. Unter anderem Karekare Beach wo einst Szenen aus dem beeindruckenden Film „Das Piano“ gedreht wurden. Der dunkle Sand, schroffe Felsen und eisiges Wasser waren ein schöner Kontrast zur City.

Die Einwohner hier sind ein bunter Mix der unterschiedlichsten Kulturen und Schichten wie ich es noch nie gesehen habe. Die Gesichter der Straßen ergeben zusammen eine komplette Weltreise. Ein starker asiatischer Einfluss mit all seinen Facetten, gemischt mit dem dunklen, kräftigen Erscheinungsbild der Maori, dazu Polynesier, Südafrikaner, Südamerikaner, die komplette Europa-Palette und alles was man daraus mixen kann. Darunter finden sich die eigentlichen Kiwis, welche als solche kaum auszumachen sind und selber Wurzeln um die halbe Welt haben.
Auch in dem belgischen Restaurant wo ich arbeite, ist weit und breit kein Kiwi zu finden, aber auch kein Belgier. Argentinien, Chile, China, Schottland, Frankreich, Uruguay, Mexiko und natürlich deutsch ist die Besetzung zurzeit.

Kulinarisch gibt es demzufolge auch allerhand zu bieten. Preiswertes, leckeres Sushi schmeckt uns nach wie vor. Auch haben es uns warme, gefüllte Pies (Blätterteigkuchen) angetan. Diese passen aber wohl eher in die Australische Landschaft. Ansonsten gibt es unzählige, kleine Restaurants und Fastfood-Läden jeder Nationalität mit unbekannten Leckereien und unlesbaren Speisekarten in vereinfachtem(?) Chinesisch.
Rein neuseeländisch machen die goldenen Kiwifrüchte süchtig. Im Gegensatz zu den grünen, harten Dingern zu Hause sind diese hier unbehaart, glatt, weich und innen goldgelb. Mit einem fruchtigen, fast honigartigen Geschmack bin selbst ich als Frischfruchtmuffel hin und weg. Lecker und extrem günstig sind auch die frischen Muscheln im Supermarkt ($1,99/Kilo)
Dafür ist das Brot mal wieder eine Katastrophe. Die Preise für Bier und Wein sind im Gegensatz zu Australien traumhaft. Während in Australien Alkohol ausschließlich in so genannten Bottleshops verkauft wird ist es hier eher wie zuhause. Große Supermärkte verkaufen Bier aus aller Welt. Spätshops, und kleine 24h Supermärkte (Superetten) prägen das Bild von Downtown

Die Tage sind nun gezählt. Unseren Arbeitgebern haben wir unsere baldigen Reisepläne gebeichtet und es laufen die Vorbereitungen für den Umzug in die 4-Rad Wohnung. Dort wird noch ausgebaut und ausgemessen. Man will es ja gemütlich haben. Da hier 365 Tage Aprilwetter herrscht, muss das Auto vor allem auch bei nassem Wetter wohnlich bleiben.
Alle Reparaturen sind soweit abgeschlossen und die meisten Bürokratischen Hürden gemeistert oder umgangen. Nun kann man nur hoffen dass der Frühling uns viele Sonnentage beschert und das neue Stativ die schönen Fotos dazu..


pics: (1) city centre from harbour bridge (2) karekare beach - - - more pictures soon.

Wednesday, 13 August 2008

CITY OF SAILS

Auckland, Anzac Street
Mittwoch, 13. August 15:41
S36 50.800 E174 46.313


Inzwischen sind wir fester Bestandteil der Innenstadt. In einer recht lebhaften WG haben wir ein Zimmer gefunden. Mitten in der City. Zwei Ecken weiter türmen sich die Wolkenkratzer und hektischer Verkehr drängt sich durch die Häuserschluchten. Ein ganz anderes Leben auf einmal. Man freut sich auf den Ausweg..

Der Stadtkern war unsere beste Chance zur Arbeitssuche. Wir wollten die Winterzeit überbrücken, ein bisschen Geld aufstocken und das neue Gefährt startklar machen.
Unser neues WG Zimmer ist unsere Basis. Die internationale Einwohnerschaft ändert sich willkürlich und unerwartet. Manche Mitbewohner haben sich wegen verschiedener Arbeitsschichten noch nie gesehen, andere sind Arbeitskollegen oder Untermieter der Untermieter. Die Mietkautionen und Schlüssel der Zimmer werden einfach immer weitergereicht und somit ist es eher wie ein wohnungsbasierendes Privathostel zum günstigen Preis. „ich räum dir deinen Dreck hinterher“ inklusive, Wohngefühl nicht. Die Wände sind dünn und der Fernseher laut. Ist ein Zimmer gerade doppelt belegt, hört man die Folgen davon. Manchmal mit einem Schmunzeln, manchmal will man einfach nur schlafen.
Für manche ist es ein zu Hause, für manche das Ende einer Reise und für uns der Beginn einer Neuen. Ab und zu findet man sich zusammen in der Küche, mit Gesprächen über Neuseeland und die weite Welt.

Richtige Arbeit finden für ca. 2 Monate ist schwerer als man denkt. Eine Masse von Bewerbungen und Mails an Jobagenturen hatte nur beschränkten Erfolg. Meist scheiterte es an der Tatsache, das man nur Arbeit für einige Wochen sucht. Selbst wenn man das lügenhaft auf 6 Monate umschreibt ändert sich nicht viel.
Deshalb: auf in die Bars. Nicht zum Betrinken, sondern zum Bedienen. Ich bin somit kurzfristig zum Kellner eines recht noblen, belgischen Bier-Kaffees geworden. Nicht mehr lange dann dreh ich das volle Tablett auf der Fingerspitze ;-) occidentalbar.co.nz
Die Arbeit ist anspruchsvoller als man denkt. Sprachlich wird man stark gefordert, Dresscode, Umgangsformen, Kassensystem, Drinks, Nachtschichten und Stress. Frisch aus den Australischen Busch und nun serviere ich Austern mit teurem Wein.
Bitte, Danke, Gern geschehen. Trinkgeld gibt’s auch und in der Küche ist nichts vor mir sicher. Frische Fritten mit Lemongrass-Coconut Muscheln. Meins…
Auch Nicole hat ein Job in einer Bar gefunden und mixt jetzt harte Sachen für trinkwütige Massen.

Tag und Nacht gibt es nicht mehr, auch keine Sonntage. Gemischte Schichten lassen die Grenzen zwischen Tag und Nacht verfließen. Ein riesiger 24 Stunden Supermarkt hält uns zeitlos am Leben. Einkaufen nachts halb 3. Welcher Tag ist heute? Mal ist man der Anwohner der zur Business-Zeit auf Arbeit geht, mal der dunkle Schatten der von der Nachtschicht an den zahlreichen Nachtclubs vorbeizieht, mal ist man der zahlende Gast eines solchen Clubs und serviert am nächsten Tag Frühstück, Flämisch Stew und belgisches Bier. Interessant wird es wenn man ins Bett geht und der Andere gerade aufsteht. Was gibt es dann - Frühstück oder Abendbrot?

Auch bedarf es gewisser Zurückhaltung wenn man nahe der Hauptgeschäftsstraße wohnt. Gewohnheits-shoppen ist nicht gut für die Ersparnisse.
Rührt man unvorsichtiger Weise das Auto an, sucht man anschließend verzweifelt einen Parkplatz. Es gibt nur 6 freie Stellflächen im ganzen Viertel. Heiß begehrt und hart umkämpft. Wo ist bloß dieser endlose Horizont ohne ein einziges Haus oder Auto geblieben?

Eine heiße Dusche und ein Bett ist schon eine feine Sache, doch sehnen wir und nach einem „Goodbye Auckland“ Straßenschild.
Es steigt die Vorfreude auf die rauen Landschaften, auf Farnwälder und heiße Quellen, Schneebedeckte Berge und neblige Fjorde. Eine Vorfreude die Notwendig ist. Zwischendurch bin ich noch auf der Suche nach einem gebrauchten Kajak. Das Autodach ist doch noch soooo leer. Die Schönheit ist irgendwo da draußen und wir sind auf besten Weg dahin. Nur noch ein paar Wochen hier durchhalten. Ich freu mich drauf..

Tuesday, 22 July 2008

DER UMZUG

Auckland
Mittwoch, Juli 2008 1:28
S37 01.459 E174 54.654

Wir sind umgezogen. Neue Adresse: Neuseeland.


Hinter uns liegen ein paar recht chaotische Wochen. Ich habe eine Weile leider keine Zeit gefunden zum Schreiben. Das Abenteuer Tiefgarage hatte ein gutes Ende. Nach 5 Tagen hatten wir unser „mobile home“ verkauft. Mit einer Mischung aus viel Glück, tagelanger Arbeit und sehnlichen Warten haben wir Betty für 6000$ abgegeben. Wir haben vor einem Jahr 4800$ bezahlt ;-) Somit haben wir fast alle Autokosten wie Reparaturen und Versicherung wieder rein und konnten auch frohen Herzens dem Rest der Verkäufer-Verdammten einen ausgeben. Einen Tag später standen neuwertigere Geländewagen für weitaus weniger zum Verkauf. Das war knapp.

Das nächste Abenteuer hieß: Koffer packen. Wie macht man 60 Kilo zu 20 Kilo, was macht man mit 2,5 Meter langen Angeln, mit 3 Schlafsäcken, 2 Zelten, Sachenbergen und Kistenweise Ausrüstung. Einiges war uns einfach zu sehr an Herz gewachsen, um es einfach mit dem Auto zu verscherbeln. Zumal es die noch reisefrischen Käufer sowieso nicht schätzen. Umpacken, auspacken, versenden war die Lösung. Zum Glück gibt es Dinge wie „Kompressionssack“. Nebenbei liefere ich mir noch ein Wortgefecht mit der Airline per E-Mail. Wie definiert man Sportgepäck? 10 Kilo extra gibt es dann zusätzlich. Golfschläger oder Surfbrett wären ja ok, was ist mit einem Rucksack voller „hiking-equipment“?
Die Antworten waren schwammig, doch am check-in am Flughafen hilft uns dieser Mail-Ausdruck sämtliches Übergepäck kostenlos mit durch zu mogeln. Inklusive 2,50 Meter Angel. Ich konnte mich nicht trennen. Zweimal Neuseeland bitte, weiter geht’s…

Wie soll man Nein sagen. Der Flug Sydney-Auckland kam umgerechnet 160 Euro, plus ein Arbeitsvisum. Vor einem halben Jahr in Darwin hatten wir alles gebucht und beantragt. Nun war es soweit. 4 Stunden und man ist in Mittelerde. Nein, noch nicht ganz: Erst mal zum Flughafen in Sydney. Hier ist gerade Weltjugendtag, und einige Hunderttausend Pilger sind gekommen um den Erzfeind des Kondoms zu sehen.
Unser Flug ist 9:30. Wegen vorhersehbaren Verkehrs-Chaos begeben wir uns aber schon am Abend zuvor zum Flughafen und verbringen die Nacht mit einigen Anderen in der Wartehalle. Man sieht sich Filme auf dem Laptop an oder überlegt, wie man sich liegend um die Armlehnen der Sitze schlängelt. Kurz vor Flug bekommen wir noch eine Absage von unserer einzigen Unterkunft in Auckland.

Auckland, 14:30: Verspätung, Quarantäne-Check und es regnet. Zum Glück gibt es Gepäcktrollies, ansonsten könnten wir unseren Kram kaum schleppen. Mit Internet und Telefon gelingt es uns am Flughafen, ein freies Zimmer zur Miete zu finden. Mit Sack und Pack finden wir auch den Bus dahin. Mit Sack und Pack geht es weiter (2 Koffer >20Kilo, große Kraxe, 2 Rucksäcke, Kamerataschen und natürlich: 2,50 Meter Angel-Pack)
Unsere australischen Mobilfunkkarten funktionieren hier nicht und machen die Sache noch etwas interessanter. Unser Zielort ist gerade noch auf der Stadtkarte drauf. Richtig weit weg.
Im Dunkeln lassen wir uns die letzten Kilometer von den Mitbewohnern abholen.


Jetzt sind wir schon eine Woche hier und es geht voran. Es ist gerade Winter hier (klingt fast wie der erste Australien-Post von mir). Es ist recht mild und regnet ständig. Neuseeland ist nicht umsonst so grün. Unsere Wohnung ist 30 Kilometer vom Zentrum entfernt und mit Bus und Bahn versuchen wir krampfhaft ein Auto zu finden. Die Autos von anderen Reisenden fallen schon fast auseinander und haben selten weniger als 300.000 km hinter sich. Mit viel Aufwand kaufen wir nach 5 Tagen von privat. Ein langer Komplettcheck in einer Werkstatt vor dem Kauf läuft gut, also auf zur Bank. Aus den Automaten hier kommen nur Zwanziger. 3500$ in Zwanzigern. Ein Packen Geld wie im Film.
Es ist ein knallroter Mitsubishi L300 Van mit Allradantrieb. Allrad macht süchtig und frei. Wirklich! Das Auto ist liebevoll ausgebaut und mit reichlich Platz für Schlechtwettertage.
Es war das einzige der getesteten Autos, wo uns ein bisschen warm ums Herz wurde. Nach den ersten 5 Kilometern wurde auch der Motor warm. Zu warm.. ..Heiß. Überfreude?
Böse Erinnerungen werden wach. Leichte Panik kommt auf.
Der Motor ist unterm Beifahrersitz und am Rand von der Stadt-Autobahn wird gleich zur Eröffnung gebastelt. Der Kühler ist leer. Am nächsten Haus holen wir Wasser und fahren zurück zur Werkstatt. Am Ende ist doch alles ok. Den Kühler hatte einfach jemand nicht wieder aufgefüllt. Kompetenzzentrum Ozeanien.

Nun suchen wir eine Wohnung näher am Zentrum und Jobs bis zum Frühling. Danach geht es wieder los. Quer durch das Ende der Welt. Man darf gespannt sein...

(!) meine neue Telefonnummer: +64 (0) 211540079 (Vodafone New Zealand)
Alle vorherigen bis auf weiteres ungültig
.

pics: unser neues Zuhause!

Friday, 27 June 2008

DOWN UNDER LEVEL 2

27. Juni 2008 14:32
S33 52.388 E151 13.554
[Sydney-Kings Cross]

Die Reise hier nähert sich dem Ende und es ist an der Zeit sich von unserem Gefährt zu trennen. Nach so vielen Erlebnissen ist es uns doch ein bisschen ans Herz gewachsen. Gerade jetzt wo es nach 2 vollen Tagen putzen und ausräumen richtig strahlt.
Die Hölle von Sydney, „car hell“ oder auch „travellers car market“
In dem link, der im letzten post steht, könnte es nicht besser beschrieben sein!! Auch wir sitzen jetzt im etwas anderen Down Under: 2 Etagen vom Sonnenlicht entfernt. Das Auto musste einen 15-Minuten Sicherheitscheck überstehen um hier angeboten zu werden. Alle Fehler werden aufgelistet. Bis auf zwei kleine Mängel kommen wir durch.

Mit 2 Meter Einfahrtshöhe ist man der nächsten Parkebene nur Millimeter entfernt. Jede Deckenlampe ein Adrenalinstoß. Unten angekommen reiht man sich zu den anderen Karren. Diese Bezeichnung trifft es genau. Hier gibt es fast kein Auto ohne einschlägige Mängel. Die Stimmung am ersten Tag war gut. Die Verkäuferschaft wird schnell zum vorläufigen Freundeskreis, es gibt für die Neuen noch viel zu erzählen. Und es gibt tatsächlich freie Drinks. Ab und zu kommt ein glücklicher Verkäufer der letzten Tage mit einer Kiste Bier vorbei, dazu israelische Kartenspiele und ein Sprachwirrwar das ganz Europa umfasst.
Die Wände dieser Etage sind übersäht hunderten kleiner Texte. Seit 15 Jahren gibt es diesen Markt hier unten und fast jeder Verkäufer hat ein kleines Andenken hinterlassen. Von „verkauft in 15 Minuten“ bis „sitzen hier unten seit 3 Wochen“ ist alles dabei. Die Masse beschreibt es mit „get us out of this hell“.

Schon am 2. Tag kann ich mich langsam dieser Meinung anschließen. Es ist ein Kerker.
In den letzten Stunden kam ein einziger potenzieller Käufer vorbei. (Für einen anderen Wagen) Der begutachtete Wagen sprang nach 20 Sekunden und ein paar Jubelpfiffen sogar irgendwann an. Da helfen auch Erklärungen nichts. Der Interessierte ist wieder auf dem Weg ins Licht.

Trotz Zeitungsanzeigen und Aushängen im ganzen Viertel warten wir neben unserem Landcruiser vergebens auf Kundschaft. Es ist keine Saison zum verkaufen. Auch die dazugehörigen 20 Kilo Campingkram und eine Diashow am Laptop wecken kaum Interesse. Aber das wird schon. Bis jetzt wurde hier fast alles irgendwann mal verkauft. Die vielen kleinen Texte vermitteln Hoffung und Schrecken zugleich.
Abends bleibt ein bisschen Zeit für Spaziergänge durch das Stadtviertel „Kings Cross“ oder das Zentrum mit seinen Wolkenkratzern. Die Skyline samt Brücke und Opernhaus ist beeindruckend und die engen Straßenschluchten dazwischen sind nicht minder überwältigend. Aber besser zu Fuß. Im Auto ist es ein Alptraum.

Nebenher ist noch viel zu erledigen. Australische Steuererklärung, Kontoschließung, Behördenkram und dergleichen. Dazu das Packen und Aussortieren. Es ist unglaublich was sich innerhalb eines Jahres so ansammelt. Soviel Kram von dem man sich trennen muss, um auf die 20 Kilo Reise-Standard-Besitztum zu kommen. Ein zusätzliches, teures Postpaket wird unumgänglich werden. Noch sind es aber 3 Wochen bis zum Flug und sollten wir bald aus dieser Gruft auferstehen, gibt es in und um Sydney noch viel zu sehen.
Wünscht uns Glück hier in der Kälte und genießt die warme Erdbeerzeit!!

Wednesday, 18 June 2008

FRASER COAST KOSTPROBE

16. Juni 2008 18:57
S24 58.747 E153 13.992
wathumba creek

Die letzte Woche on the road. Bevor wir die letzten 1000 km Richtung Sydney ansteuern haben wir uns auf Fraser Island eingenistet. Die letzte Entspannung vor dem Autoverkauf und der Hölle von Sydney
Link:
http://www.tagesspiegel.de/magazin/reise/Australien;art294,2515909
Auf dem Weg nach Fraser gab es viel zu sehen. Die Ostküste ist um vielfaches touristischer als alles was hinter uns liegt und mancherorts sucht man vergebens nach ein bischen Einsamkeit.
Trotzdem finden sich wirklich schöne Ecken, oft nach einem kleinen Chat mit den Locals.
In Townsville wurden wir von Freunden meinerseits warm aufgenommen und mit einer schicken Unterkunft einige Tage verwöhnt.
[Jenny+John: Many thanks again for the great time!!]

Über Airlie Beach, die Whitesunday Islands und das Hinterland von Mackay erreichen wir unser letztes Offroad Abenteuer mit perfektem Wetter. Fraser Island ist die größte Sandinsel der Welt mit wirklich bildgewaltigen Landschaften. Der Strand ist der Highway. Ein Gezeitenplan ist hier ein wichtiges Utensil. Auf schneeweißem Sand herrscht bei Ebbe ein reges Treiben von Geländewagen. Bei Flut erstarrt dies fast gänzlich. Man muss sehen dass man Land gewinnt. Ein höher gelegener Campspot oder einer der wenigen Inland-Tracks. Der Strand kann ganz schnell mal weg sein und so auch das Auto.
Das Inselinnere ist mancherorts ein üppiges Grün mit Baumriesen und buchstäblich kristallklaren Seen. Der weiße Sand ist auch hier überall und zaubert einen einzigartigen Kontrast zum Wasser oder den moosigen Urwäldern.
Wathumba Creek wird für einige Nächte unser Zuhause. Wer bei Google Earth mal von oben luncht, kann sich vorstellen warum. Zweimal täglich gibt es ein gigantisches Schauspiel. Das Wasser kommt und geht mit beeindruckender Geschwindigkeit. Bei Ebbe bildet sich eine endlose Flussmündung aus weißem Sand. Kilometerweit. Millionen von blauen Soldier-Crabs (Krabben) bevölkern den Sand. Zu Tausenden flüchten sie in alle Richtungen. Ein krabbelndes Wirrwarr von unzähligen Beinen das man es hören kann. Dazwischen schlängelt sich der Fluss der durch Tannin aus Pflanzenstoffen eine rote Farbe angenommen hat. Im flachen Wasser tummeln sich kleine, gefräßige Kugelfische und Stachelrochen. Auf letztere sollte man möglichst nicht treten, deshalb muss man unter Wasser „schlürfen“. Bei Flut drängt klares Salzwasser den Fluss zurück und die ganze Bucht füllt sich für einige Stunden komplett mit Wasser. Auch hier sollte man dann auf der richtigen Seite stehen, was man bei dieser Größe und so viel zu sehen schnell mal vergisst..

Kein Mensch campt hier außer uns. Nur gelegentlich kommt jemand auf einen Spaziergang vorbei. Keine Ahnung warum. Zu abgelegen für die Meisten, ein paar Mücken und Sandfliegen schlagen den Rest in die Flucht. Ständige Besucher sind 2 neugierige Kokkaburras (Lachvogel) die immer zum greifen nahe auf dem nächsten Ast sitzen und hoffen das ein Krümel unter den Tisch rutscht. Zum Schutz vor Dingos muss Müll und alles Essbare im geschlossenen Auto verstaut werden, das Zelt bleibt offen und leer wenn man nicht da ist. Hier haben sich noch keine gezeigt, aber Spuren sind überall. Ungesichertes Essen hat einige dieser Wildhunde hier aggressiv werden lassen und ein paar ungesicherte Kinder wurden zum Snack. Warnschilder stehen überall. Man soll im Busch auch nicht allein pinkeln gehen. Welch intimes zusammenleben…
Zwischendurch wird am Auto geputzt, geschraubt und ausgebessert. Nicht mehr lange, dann glänzt es mit einem „for sale“ Schild für die nächsten Kandidaten.
Auch die warmen Tage sind vorbei. Mit jedem Kilometer südwärts steuern wir dem Winter entgegen. Nachts rutscht es schon mal unter 10°C (Brrrrr! ;-)) und mit kalter Nase im Schlafsack träumt man sich ein paar Monate zurück wo wir bei über 35°C nachts zerflossen. Warscheinlich träumten wir dort von kalten Nasen…
Pics: (1) Lake McKenzie; (2) Soldier Crabs; (3) Tannin gefärbtes Wasser; (4) Kookaburra; (5) Soldier Crabs; (6) nähe Central Station / Fraser Isl.

Tuesday, 27 May 2008

CAIRNS

23.Mai 2008 11:55
S16 55.108 E145 46.560

Städte sind immer wie Magneten. Sie halten einen fest, ob man will oder nicht. Cairns verschlingt uns einige Tage und die Reisekasse gleich mit. Nach dem Buschleben wird der Einkaufswagen in den großen Supermärkten besonders voll. Es gibt an jeder Ecke lecker asiatisches Essen, frisches Sushi oder Eis. Man kann nicht widerstehen. Alte Suchtgefühle stillt ein fast kostenloser Internetzugang. Man plant früh eine Stunde für ein paar Mails, bis die Straßenlichter draußen angehen und ein knurrender Magen einem sagt, das es etwas länger geworden ist. Nicole kauft sich auch noch nen kleinen Laptop, ein weiteres Kilo Technik im Auto. 2 Computer, 4 Festplatten, Kilometerweise Kabel und Adapter, GPS und 3 Kameras ist schon nicht ganz normal. Reisen 2008. In ein paar Jahren passt das alles in eine Hosentasche. Hoffentlich…
Das Great Barrier Reef ist von Cairns aus sehr nahe. Eines der Naturwunder dieser Welt und vielleicht ein Muss einer Australienreise. Die tausend Prospekte der Reiseveranstalter stoßen uns ab, doch wir buchen schließlich einen Tauchtrip. Das Wasser am Riff ist türkisblau und klar, keine Wolke am Himmel. Nach einigen Einweisungen sind wir in einem anderen Element. Als Tauch-Anfänger vereinnahmt die Ausrüstung unter Wasser einiges unserer Aufmerksamkeit, doch es ist ein Wahnsinns Gefühl. Ein Ort wo man eigentlich nicht hingehört, mit Druck von allen Seiten und doch fast schwerelos..
Sicher fragt sich der ein oder andere wie wir das hier so geldtechnisch meistern. Nun, ich will es mal ein bisschen offen legen: Natürlich bestimmt die Art von Reise, wie viel man sich leisten kann. Kann man sich nicht viel leisten, muss man aber nicht zwangsweise seine Erwartungen runterschrauben. Vielmehr seine Lebensweise.
Das wir in fast 9 Monaten nur eine Woche für Unterkunft bezahlt haben ist nur ein Punkt. Gibt es zum übernachten nur einen Resort in der Nähe, stehen wir wahrscheinlich daneben. Lieber fahren wir abends ein paar Kilometer aus der Stadt an einen leeren Strand, als uns in ein 10-Mann Hostel Zimmer zu zwängen und anstatt eines schicken Miet-Campervans haben wir unsere Do-It-Yourself Rostlaube, an der garantiert immer etwas zu tun ist. Aber sie bringt uns `rum und es wäre ehrlich gesagt auch manchmal nicht dasselbe Abenteuer, wenn man nicht ständig was zum basteln hätte. Ach ja, die Dusche. „Draußen“ ist es der Wassereimer, der Kanister auf dem Dach, ein klarer Bach oder das Meer, der Wasserhahn an einem Roadstop oder die rostige Dusche vom Roadhouse. In zivilisierten Gefilden geniest man das warme Wasser vom Caravan-Park, und geht zum Hintereingang hinaus, wo man hergekommen ist. Oder es gibt Luxus-Duschen am Strand.
Auf dem Benzinkocher wird das Abendbrot kreiert. Manchmal recht ausgefallen, und ab und zu etwas eintönig. Das gehört dazu. Der eine oder andere gefangene Fisch dazu, oder lecker Fleisch was hier recht günstig ist, ab und zu mal „Essen gehen“. Da bleibt viel übrig für andere Sachen und man kommt mit seinen paar Kröten einige tausend Kilometer weit, von denen jeder ein anderes kleines Erlebnis ist. Manchmal fehlt ein bisschen Luxus, manchmal ist man stolz auf diese Einfachheit und Unabhängigkeit. Keine Miete, kein Strom, keine Nebenkosten (außer Schokolade und ein paar Drinks) und kein Wecker früh, sofern man nicht das Meer im Morgenlicht fotografieren will.
Das Geld ist natürlich nicht alles, aber ohne kommt man nicht weiter. Ich will nur sagen, dass sich eigentlich fast jeder so eine Auszeit leisten kann, ohne arm zu werden. Reist mal wieder!
Ha, was haben wir für ein Leben. Leider gewöhnt man sich auch daran, sucht ewig den perfekten Platz zum Bleiben, wenn ein guter in Reichweite ist. Manchmal muss man einfach seine Sucht überwinden, alles zu perfektionieren. Ab und zu muss man sich förmlich zwingen, das Chaos im Auto zu übersehen oder das Gegrübel um die Zukunft vergessen und den wundervollen Ort zu genießen, an dem man gerade steht.
Der Lagebericht heißt diesmal: Regen! Tully, der nasseste Ort Australiens ist nur 30 Kilometer entfernt und man spürt es deutlich. Vor 5 Jahren hab ich dort in den Bananenplantagen gearbeitet, und es war auch nicht trockener. Wir stehen nahe Mission Beach, 2 Schritte von Auto das Meer. Ein „Autotag“ weil es regnet. An der Batterie saugen die Rechner, lesen, schreiben, Musik und Knabbereien, Standspaziergang und neue (gebrauchte) Radlager säubern. Die Schmuckstücke bau ich ein, sobald die Sonne wieder scheint. Bis dahin schreib ich euch….
pics: (1) dive trip; (2) cairns lagoon; (3) what the * is that?; (4) Mt Bartle Frere (1600m) Queenslands highest mountain

Monday, 12 May 2008

CAPE YORK

07.Mai 2008 19:32
S13 05.645 E142 56.435

..Der Staub der Wüsten liegt hinter uns. Oder er liegt in allen Autoecken. Und es sollte nicht der letzte sein. Wir sind auf dem Weg zur Ostküste von Queensland. Wie im Fluge ändert sich die Landschaft wieder. Mit jedem Kilometer wird es grüner. In den Tablelands angekommen fahren wir durch berauschend saftige Wiesen und grüne Hügel bis sich plötzlich die Bäume über der Straße treffen und der Regenwald einsetzt. Dichter und üppiger als zuvor in Darwin, mit Ranken und Lianen, Palmen und moosigen Urwaldriesen. Anstatt der braunen, mageren Rinder gibt es jetzt schwarz-weiß gescheckte Milchkühe, und am Straßenrand findet man häufig kleine Selbstbedienungs-Stände mit frischem Obst und Gemüse.

Cairns, die nördliche Touristenmetropole, schockt uns mit mehrspurigen Highways, Shoppingcentern und einer hektischen Innenstadt. Wir suchen nach ein paar Besorgungen und einem Großeinkauf schnell das Weite. Auf dem Bloomfield Track, einer Allrad-Piste entlang der Küste, verschwinden auch die letzten Tourbusse. Entweder nach dem ersten „Creek-Crossing“ oder bei den extremen Steigungen. Es lebe der erste Gang, und selbst der hat alle Mühe. Wehe man bleibt bergauf stehen…
Wir erreichen Cooktown, einen recht angenehmen Ort. Captain Cook machte hier 1770 sein Schiff, die Endeavour, wieder flott, nachdem er in den unzähligen Riffen auf Grund lief. Aufgrund seiner Lage ist Cooktown weitgehend vom Tourismus verschont geblieben und man kann nur hoffen dass der Charme einer verschlafenen Kleinstadt noch eine Weile erhalten bleibt.

Queensland hatte die nasseste Regenzeit seit 30 Jahren mit schweren Überschwemmungen hinter sich. Umso mehr Bedenken hatten wir für die Fahrt zum nördlichsten Punkt Australiens. Cape York- the top end. Mit einer Fläche von 207.000 km² und nur 15.000 Einwohnern, verteilt auf einige wenige Orte, eines der größten Wildnisgebiete Australiens. Trotz einer „road closed“ Warnung für die letzte Etappe machen wir uns auf den Weg. Mit reichlich Vorräten, 3 Ersatzreifen und allem möglichen anderem Kram verlassen wir Cooktown. Über 2000 km offroad liegen vor uns.
Die Wellblechpisten nagen an Auto und Nerven, doch ab dem Abzweig zum Iron Range National Park an der Ostküste geht es erst richtig los. Man sieht und spürt, wie das Regenwasser an den Pisten genagt hat. Mit unserem langen Radstand haben wir an einigen Auswaschungen Probleme. Das Auto sitzt vorn oder hinten auf, und die Räder hängen frei. Diese Holperstrecke ist trotzdem ein riesen Spaß und hinter jeder Ecke lauert ein anderes Hindernis. Bis wir vor dem ersten Fluss stehen. Der erste von 2 großen Durchquerungen, von den unzähligen Bächen auf dem Weg abgesehen. Schnellfließendes Wasser mit weichem, sandigem Boden. Nach intensiver Autopräparation schaffen wir es ohne Probleme und nach einem weiteren abenteuerlichen Streckenstück stehen wir vor dem zweiten. Der Pascoe River. Doppelt so breit, ein zugewachsenes Krokodil Warnschild am Straßenrand. Kein Auto in Sicht, was voraus fährt. Kein durchlaufen um Tiefe und Untergrund zu prüfen. Man könnte als Snack enden.
Ist man in der Mitte schlägt das Herz schon im Hals. Bloß nicht stecken bleiben!

Nach allen Hürden erreichen wir schließlich Iron Range National Park. Die Belohnung ist das größte und wildeste Regenwaldstück Australiens und ein Camp an einem Traumstrand mit unzähligen Kokospalmen. So viele wie noch nie. Man muss aufpassen wo man sich, Zelt und Auto hinstellt. Die reifen Kokosnüsse schießen überall zu Boden, wo sie zu hunderten herumliegen.
Es geht die ganze Strecke zurück und dann weiter nach Norden Richtung Cape York. Bei einigen Camps entlang der Stecke zaubern uns Dingos eine ordentliche Gänsehaut auf den Rücken. Man wird im Zelt nachts wach, hört dieses laute Heulen. Ein Klang der so durch und durch geht, manchmal nur wenige Meter entfernt. Normalerweise scheu und relativ ungefährlich veranlassten sie uns einmal sogar zur Flucht ins Auto.
Der eigentliche Track, die kürzeste Strecke, ist noch unpassierbar. Es bleiben uns aber noch Umfahrungswege und somit schießen wir auf endlosen Staubpisten der Spitze entgegen. Am Ziel angekommen belohnt uns ein oft fotografiertes Metallschild und ein paar endlose Strände. Ein Reifen bleibt zurück, nachdem ein Ast die Seite aufreißt. Damit wir für den Rückweg ein fertiges Ersatzrad haben, müssen wir den kaputten Reifen von der Felge hebeln und einen anderen wieder aufziehen. Eine wirkliche Knochenarbeit ohne Maschinen, und wir sind froh das wir jemand finden der uns hilft. Nach ein paar Tagen Strandleben tanken wir in einer den kleinen Aborigine-Gemeinschaften auf und begeben uns auf den langen Rückweg.
Es werden die letzten Kilometer Outback sein, die letzten Kilometer roter Staub, Schlaglöcher, einsame Pisten und endlose Weiten, die letzten Kilometer des anderen Australiens. Die Zeit fängt an zu rennen, und bis Juli werden wir uns durch den Asphalt-Dschungel der Ostküste bis nach Sydney kämpfen. No worries….
pics: (1) bloomfield track; (2) coconut palm; (3) washouts at Portland roads track; (4) chilli beach sunrise; (4+5) daintree rainforest; (6) chilli beach; (7) the tip

Tuesday, 15 April 2008

RICHTUNG QUEENSLAND

12. April. 2008 20:26
S18 00.321 E144 02.717

Zurück in Alice Springs wird alles voll getankt. Tankstellen sind ab jetzt rar. Manchmal 500 km bis zur nächsten, und dann mit Outback-Preisen. Es geht auf Schotterpisten quer durch die Wüste Richtung Queensland. Auf den fast 1000 km bis Mt. Isa kommen uns kaum Fahrzeuge entgegen. In alten Minen und Edelsteinfeldern suchen wir— Ja, wir suchen, und manchmal wissen wir gar nicht was. Hauptsache es glitzert. Aber es findet sich etwas. Ein paar kleine Granate, etwas Zirkon, Rauchquarz und Topaz.

Irgendwo im Nirgendwo füllen wir gerade den letzten Kanister in den Tank und machen ein paar Fotos, da umschwirrt uns ein kleiner, zweisitziger Helikopter und landet 10 Meter vor mir. Dieser treibt gerade ein paar Rinder zusammen und hatte den roten Kanister von oben gesehen.
„… hey `going? You’re right? Running out of fuel, mate?..“
Ich versichere Ihm, dass alles bestens ist und wir nur nachtanken. Ich frage, ob er mich vielleicht für ein paar Bilder kurz mit hochnimmt. Ist natürlich kein Problem. Auf dem 2. Sitz ist sein Swag festgeschnallt. So eine rießen Rolle (Die typisch australische Schlafsack-Matratzen-Kombi) Der fliegt kurzerhand in den Dreck und ich zwäng mich rein. Unten in der Ecke klemmt sogar noch ein Hund. Schaut etwas übel zu mir hoch. Keine Tür, nur ein Gurt. Wie eine Rakete schießen wir nach oben. Man merkt dass er gern fliegt. Die kostenlose Hubschrauber Safari mitten im Outback. Inklusive Rinder jagen. Nicole darf auch noch eine Runde mit, dann geht es wieder weiter.
In Urandandi [S21 36.551 E138 19.045] genießen wir ein kaltes Bier und wundern uns wie man an so einem Ort leben kann. Ein bisschen quatschen mit den „locals“ und der trockene Humor einiger Aborigines lässt die Zeit verfliegen.
70 km vor Mt. Isa erreichen wir wieder befestigte Strassen und es wird wieder grün. Aber nur unterm Auto. Kühlerflüssigkeit. Da sprudelt etwas und ich will es gar nicht glauben. Der Kühler, mal wieder.
Kühler-Story Nummer 3
...für die Interessierten - und ich will es versuchen kurz zu machen.
Es ist nicht nur der Kühler kaputt, nein es ist auch noch Freitag. Freitagnachmittag. Suuuuuper. Wir verbringen das Wochenende an einem recht leeren Stausee und stürzen uns am Montag in den Werkstatt- und Telefonkrieg. Es ist wieder ein Garantiefall mit dem nunmehr 2. neuen Kühler und wir sind so richtig sauer. Natürlich will keiner davon etwas wissen, weil nicht hier gekauft. Der Hersteller telefoniert auch nicht so gern und wird recht pampig. Letztlich bekommen wir diesmal keinen neuen, sondern eine kostenlose Reparatur. Ich darf mal wieder alles ausbauen. Vor der Werkstatt in der prallen Sonne. Der alte Kühlerbauer kennt das Problem, schüttelt mit dem Kopf und lötet das Ding in alle Einzelteile auseinander und wieder zusammen. Ein ganzer Tag geht dabei drauf. Verstärkt, gedichtet und lackiert soll er nun ewig halten, aber alle sind sich einig: Alle Kühler dieses Herstellers sind Mist, sofern man nicht die Einzelteile kauft und selber zusammenlötet. Es gibt aber nur diesen einen und deswegen: viel Glück!
pics: (1) bulldust holes; (2+3) helicopter safari; (4) somewhere..

Saturday, 22 March 2008

DAS ROTE HERZ

S42 13.709 E148 15.882
21. März 2008 22:46

…Wir arbeiten noch 2 Wochen auf Crab Claw Island. Extreme Regenfälle spülen ganze Straßenteile weg. Einzige Zufahrt ist nun ein Allrad Buschtrack, der für Notfälle gedacht ist. Nach dem letzten Cyclone müssen wir diesen aber erst mit Kettensägen von umgestürzten Bäumen befreien. Das Angeln ist wieder fantastisch und wir werden auch gut durchgefüttert. Schließlich reißen wir uns endlich von Darwin und den Tropen los und nehmen Kurs auf das rote Herz Australiens - Die zentralen Wüsten und die MacDonnell Ranges. Heute werden wir die letzten Besorgungen in Alice Springs machen und uns dann auf die staubigen Pisten stürzen…

Die Kilometer vergehen wie im Fluge. Innerhalb von Stunden haben Buschland, Grassteppen und roter Staub das Grün der Tropen abgelöst. Von einem Extrem ins nächste. Waren es gerade noch gute 100% Luftfeuchte sind es jetzt fast null. Die Nächte sind kühl und klar - im Schlafsack verkrochen und mit 1000 Sternen überm Zelt. Auch die vielen Mücken sind fast verschwunden. Dafür quälen einen Millionen respektloser Buschfliegen. Augen, Nase, Mund und Ohren – überall. Hat man eine verscheucht, kommen 10 andere. Auf dem Rücken machen sich es die restlichen 100 gemütlich.
Es ist unsere kleine „Hauptattraktions-Runde“. Zumindest wird dies überall so beworben. Kings Canyon [Watarrka] , Ayers Rock [Uluru] und die Olgas [Kata Tjuta]. Auch wenn wir uns über staubige Pisten von hinten anschleichen um dem breiten Highway samt Reisebussen zu umgehen – vor Ort erschlägt uns der bunte Wahnsinn. Aus dem Boden gestampfte Ressorts und ein „no camping“ Schild an garantiert jeder Ecke. Ganze Horden von Reisegruppen, lautstarke Backpacker-Safaris, Mietwagen und Campervans. Mittendrin statt nur dabei.
Den Ressorts kann man entgehen – den Leuten nicht.
Trotzdem hat jeder dieser drei Orte eine überwältigende Schönheit. Stellenweise kann man diese sogar fast allein inhalieren. Viele der großen Gruppen verzichten auf die längeren Walks und sind genauso schnell weg, wie sie gekommen sind. Sie sehen nur die Hälfte und bezahlen das Doppelte.
Wenn man zum wirklich imposanten Sonnenuntergang am Ayers Rock fährt, weiß man: man ist nicht allein. Es gibt sogar Sektbuffet vorm Bus mit Blitzgewitter von Digitalkameras
Wenn man zum wirklich imposanten Sonnenaufgang zum Ayers Rock fährt, früh gegen halb 6, denkt man: so viele können es nicht sein...
Ca 200 dachten das Selbe.

Pics: (1) Arbeitsauto gewässert; (2) Abendbrot – Great Trevalley; (3) Stumfront; (4) einsammer Dingo; (5+6) Devils Marbels Cons. Reserve; (7) Uluru sunset; (8) Uluru sunrise

TASMANIEN TEIL II

S42 13.709 E148 15.882

…nach dem South Coast Track in Tasmanien brauchten wir erst einmal wieder etwas zum entspannen.
So schön und abenteuerlich vieles klingt, es ist nicht immer einfach unterwegs. Egal wo man ist und was man macht. Nicht alle Torturen werden sofort belohnt. Ob Backofenhitze, Kälte oder dauerfeuchte Sachen, Autopannen, Geldmangel, Autoenge, Streit, einfach fertig sein oder täglich umziehen – natürlich gibt’s unterwegs auch miese Tage und das soll hier nicht fehlen. Die Rucksacktour durch Tasmanien war unbeschreiblich schön, keine Frage. Doch gerade dieses Langstreckenwandern oder Trampen zehrt auch an den Kräften. Man hat immer seine 20 Kilo auf dem Rücken, egal bei welchem Wetter. Kein Auto was alles trägt oder wo man sich zurückziehen kann. Wenn es regnet, steht man im Regen. Manchmal Stundenlang, wenn es mit dem Trampen gerade nicht klappt. Zwei so triefend nasse Rumtreiber mit nem ganzem Haushalt auf dem Rücken nimmt nicht jeder sofort mit. Oder die Elemente spielen mit einem. Tasmanien ist bekannt für 4 Jahreszeiten in einem Tag. Kaum rüstet man sich gegen Regen oder Kälte mit teurer Outdoor-Bekleidung, prasselt die Sonne von oben und die Brühe läuft einem innen lang. Wutausbrüche provozieren tiefe Äste oder umgestürzte Bäume. Der Rucksack ist höher als der eigene Kopf und irgendwas bleibt immer dran hängen. Man hängt fest, rudert wie ein Idiot mit den Armen, verflucht den Baum und alles ringsum und wuchtet das schwere Ding dann doch endlich wieder frei. Erst nachher lacht man über all diese Dinge und die Erlebnisse werden unvergesslich.

Jedenfalls waren wir unterwegs zu einer Halbinsel mit schönen Stränden zum „ausruhen“ – da geht die komplette Kameratasche verloren. Beim Trampen in aller Eile in einem Auto vergessen. Oder schon beim Einsteigen liegen gelassen? Kamera, Objektive, Bilder, Pass, Führerschein, alle Speicherkarten und MP3 Player. Alles weg. Fahrer unbekannt. Irgendwo in Tasmanien. Herzklopfen… Wir wussten nur, dass der Fahrer noch nicht lange in dem Ort lebt, in dem er uns abgesetzt hatte. Kein Name, kein Nummernschild. Die Frau von der Tankstelle wo wir ausstiegen hatte ihn schon einmal gesehen, sonst nichts. Sie hilft Nicole mit einigen Telefonaten mit umliegenden Polizeistationen. Ich bin weg – hetze alle Straßen ab, in der Hoffnung „Ihn“ zu finden. Ist die Tasche noch im Auto oder 100 km zurück am Straßenrand? Die Polizei am „Startort“ sucht inzwischen alles nach Daniels Kamera ab – keine Spur. Ich fahre mit der lokalen Polizei jedes Haus ab, in der Hoffnung, das Auto wieder zu finden - nichts. Notcamp am Strand. Die Hoffnung fast weg, der Urlaub stimmungsmäßig gelaufen. Der letzte Versuch: Ich frage abends im Pub den Leuten Löcher in die Bäuche. Ein Mitarbeiter kann sich wage vorstellen, wer es sein könnte, und strapaziert die eignen Telefonkosten. Irgendwann ist ein Mann dran, der sich sicher ist, zwei German Backpacker mitgenommen zu haben und er findet noch mit dem Telefon in der Hand die Kameratasche hinterm Fahrersitz. Was für ein Gefühl. Wir treffen uns auf ein-zwei Bier im Pub. Jeder ist happy. Er ist nun bekannt wie ein bunter Hund und der Urlaub ist gerettet. Früh schenken wir der Frau von der Tankstelle noch Pralinen für ihre Hilfe und trampen weiter Richtung Freycinet Peninsula – ein Nationalpark auf einer Halbinsel.

Fernab der vielen Tagestouristen verbringen wir ein Woche an einem kaum besuchten, entlegenen Strand. Badewetter. Das Wasser ist kristallklar und recht kalt. Opossums machen uns nachts das Zelt unsicher und kleine Kängurus kommen zum anfassen nahe. Als Gourmet gibt es oft große Miesmuscheln, die überall an den Steinen wachsen, und frittierte Tintenfischringe. Ein schöner Abschluss für Tasmanien. Von Hobart geht es wieder zurück in die Tropen nach Darwin. Temperatur und Luftfeuchte erschlagen uns schon am Flughafen. Die Regenzeit in vollem Gange. Wir machen uns triefend auf in Richtung Crab Claw Island. Zurück zum Auto. Hoffentlich hat der Rost es noch nicht aufgefressen…
Pics: (1) Cooks Corner - Freycinet NP; (2+3) Wallaby füttern; (4) roter Seestern am Strand; (5) Rückzieher