Tuesday, 27 May 2008

CAIRNS

23.Mai 2008 11:55
S16 55.108 E145 46.560

Städte sind immer wie Magneten. Sie halten einen fest, ob man will oder nicht. Cairns verschlingt uns einige Tage und die Reisekasse gleich mit. Nach dem Buschleben wird der Einkaufswagen in den großen Supermärkten besonders voll. Es gibt an jeder Ecke lecker asiatisches Essen, frisches Sushi oder Eis. Man kann nicht widerstehen. Alte Suchtgefühle stillt ein fast kostenloser Internetzugang. Man plant früh eine Stunde für ein paar Mails, bis die Straßenlichter draußen angehen und ein knurrender Magen einem sagt, das es etwas länger geworden ist. Nicole kauft sich auch noch nen kleinen Laptop, ein weiteres Kilo Technik im Auto. 2 Computer, 4 Festplatten, Kilometerweise Kabel und Adapter, GPS und 3 Kameras ist schon nicht ganz normal. Reisen 2008. In ein paar Jahren passt das alles in eine Hosentasche. Hoffentlich…
Das Great Barrier Reef ist von Cairns aus sehr nahe. Eines der Naturwunder dieser Welt und vielleicht ein Muss einer Australienreise. Die tausend Prospekte der Reiseveranstalter stoßen uns ab, doch wir buchen schließlich einen Tauchtrip. Das Wasser am Riff ist türkisblau und klar, keine Wolke am Himmel. Nach einigen Einweisungen sind wir in einem anderen Element. Als Tauch-Anfänger vereinnahmt die Ausrüstung unter Wasser einiges unserer Aufmerksamkeit, doch es ist ein Wahnsinns Gefühl. Ein Ort wo man eigentlich nicht hingehört, mit Druck von allen Seiten und doch fast schwerelos..
Sicher fragt sich der ein oder andere wie wir das hier so geldtechnisch meistern. Nun, ich will es mal ein bisschen offen legen: Natürlich bestimmt die Art von Reise, wie viel man sich leisten kann. Kann man sich nicht viel leisten, muss man aber nicht zwangsweise seine Erwartungen runterschrauben. Vielmehr seine Lebensweise.
Das wir in fast 9 Monaten nur eine Woche für Unterkunft bezahlt haben ist nur ein Punkt. Gibt es zum übernachten nur einen Resort in der Nähe, stehen wir wahrscheinlich daneben. Lieber fahren wir abends ein paar Kilometer aus der Stadt an einen leeren Strand, als uns in ein 10-Mann Hostel Zimmer zu zwängen und anstatt eines schicken Miet-Campervans haben wir unsere Do-It-Yourself Rostlaube, an der garantiert immer etwas zu tun ist. Aber sie bringt uns `rum und es wäre ehrlich gesagt auch manchmal nicht dasselbe Abenteuer, wenn man nicht ständig was zum basteln hätte. Ach ja, die Dusche. „Draußen“ ist es der Wassereimer, der Kanister auf dem Dach, ein klarer Bach oder das Meer, der Wasserhahn an einem Roadstop oder die rostige Dusche vom Roadhouse. In zivilisierten Gefilden geniest man das warme Wasser vom Caravan-Park, und geht zum Hintereingang hinaus, wo man hergekommen ist. Oder es gibt Luxus-Duschen am Strand.
Auf dem Benzinkocher wird das Abendbrot kreiert. Manchmal recht ausgefallen, und ab und zu etwas eintönig. Das gehört dazu. Der eine oder andere gefangene Fisch dazu, oder lecker Fleisch was hier recht günstig ist, ab und zu mal „Essen gehen“. Da bleibt viel übrig für andere Sachen und man kommt mit seinen paar Kröten einige tausend Kilometer weit, von denen jeder ein anderes kleines Erlebnis ist. Manchmal fehlt ein bisschen Luxus, manchmal ist man stolz auf diese Einfachheit und Unabhängigkeit. Keine Miete, kein Strom, keine Nebenkosten (außer Schokolade und ein paar Drinks) und kein Wecker früh, sofern man nicht das Meer im Morgenlicht fotografieren will.
Das Geld ist natürlich nicht alles, aber ohne kommt man nicht weiter. Ich will nur sagen, dass sich eigentlich fast jeder so eine Auszeit leisten kann, ohne arm zu werden. Reist mal wieder!
Ha, was haben wir für ein Leben. Leider gewöhnt man sich auch daran, sucht ewig den perfekten Platz zum Bleiben, wenn ein guter in Reichweite ist. Manchmal muss man einfach seine Sucht überwinden, alles zu perfektionieren. Ab und zu muss man sich förmlich zwingen, das Chaos im Auto zu übersehen oder das Gegrübel um die Zukunft vergessen und den wundervollen Ort zu genießen, an dem man gerade steht.
Der Lagebericht heißt diesmal: Regen! Tully, der nasseste Ort Australiens ist nur 30 Kilometer entfernt und man spürt es deutlich. Vor 5 Jahren hab ich dort in den Bananenplantagen gearbeitet, und es war auch nicht trockener. Wir stehen nahe Mission Beach, 2 Schritte von Auto das Meer. Ein „Autotag“ weil es regnet. An der Batterie saugen die Rechner, lesen, schreiben, Musik und Knabbereien, Standspaziergang und neue (gebrauchte) Radlager säubern. Die Schmuckstücke bau ich ein, sobald die Sonne wieder scheint. Bis dahin schreib ich euch….
pics: (1) dive trip; (2) cairns lagoon; (3) what the * is that?; (4) Mt Bartle Frere (1600m) Queenslands highest mountain

Monday, 12 May 2008

CAPE YORK

07.Mai 2008 19:32
S13 05.645 E142 56.435

..Der Staub der Wüsten liegt hinter uns. Oder er liegt in allen Autoecken. Und es sollte nicht der letzte sein. Wir sind auf dem Weg zur Ostküste von Queensland. Wie im Fluge ändert sich die Landschaft wieder. Mit jedem Kilometer wird es grüner. In den Tablelands angekommen fahren wir durch berauschend saftige Wiesen und grüne Hügel bis sich plötzlich die Bäume über der Straße treffen und der Regenwald einsetzt. Dichter und üppiger als zuvor in Darwin, mit Ranken und Lianen, Palmen und moosigen Urwaldriesen. Anstatt der braunen, mageren Rinder gibt es jetzt schwarz-weiß gescheckte Milchkühe, und am Straßenrand findet man häufig kleine Selbstbedienungs-Stände mit frischem Obst und Gemüse.

Cairns, die nördliche Touristenmetropole, schockt uns mit mehrspurigen Highways, Shoppingcentern und einer hektischen Innenstadt. Wir suchen nach ein paar Besorgungen und einem Großeinkauf schnell das Weite. Auf dem Bloomfield Track, einer Allrad-Piste entlang der Küste, verschwinden auch die letzten Tourbusse. Entweder nach dem ersten „Creek-Crossing“ oder bei den extremen Steigungen. Es lebe der erste Gang, und selbst der hat alle Mühe. Wehe man bleibt bergauf stehen…
Wir erreichen Cooktown, einen recht angenehmen Ort. Captain Cook machte hier 1770 sein Schiff, die Endeavour, wieder flott, nachdem er in den unzähligen Riffen auf Grund lief. Aufgrund seiner Lage ist Cooktown weitgehend vom Tourismus verschont geblieben und man kann nur hoffen dass der Charme einer verschlafenen Kleinstadt noch eine Weile erhalten bleibt.

Queensland hatte die nasseste Regenzeit seit 30 Jahren mit schweren Überschwemmungen hinter sich. Umso mehr Bedenken hatten wir für die Fahrt zum nördlichsten Punkt Australiens. Cape York- the top end. Mit einer Fläche von 207.000 km² und nur 15.000 Einwohnern, verteilt auf einige wenige Orte, eines der größten Wildnisgebiete Australiens. Trotz einer „road closed“ Warnung für die letzte Etappe machen wir uns auf den Weg. Mit reichlich Vorräten, 3 Ersatzreifen und allem möglichen anderem Kram verlassen wir Cooktown. Über 2000 km offroad liegen vor uns.
Die Wellblechpisten nagen an Auto und Nerven, doch ab dem Abzweig zum Iron Range National Park an der Ostküste geht es erst richtig los. Man sieht und spürt, wie das Regenwasser an den Pisten genagt hat. Mit unserem langen Radstand haben wir an einigen Auswaschungen Probleme. Das Auto sitzt vorn oder hinten auf, und die Räder hängen frei. Diese Holperstrecke ist trotzdem ein riesen Spaß und hinter jeder Ecke lauert ein anderes Hindernis. Bis wir vor dem ersten Fluss stehen. Der erste von 2 großen Durchquerungen, von den unzähligen Bächen auf dem Weg abgesehen. Schnellfließendes Wasser mit weichem, sandigem Boden. Nach intensiver Autopräparation schaffen wir es ohne Probleme und nach einem weiteren abenteuerlichen Streckenstück stehen wir vor dem zweiten. Der Pascoe River. Doppelt so breit, ein zugewachsenes Krokodil Warnschild am Straßenrand. Kein Auto in Sicht, was voraus fährt. Kein durchlaufen um Tiefe und Untergrund zu prüfen. Man könnte als Snack enden.
Ist man in der Mitte schlägt das Herz schon im Hals. Bloß nicht stecken bleiben!

Nach allen Hürden erreichen wir schließlich Iron Range National Park. Die Belohnung ist das größte und wildeste Regenwaldstück Australiens und ein Camp an einem Traumstrand mit unzähligen Kokospalmen. So viele wie noch nie. Man muss aufpassen wo man sich, Zelt und Auto hinstellt. Die reifen Kokosnüsse schießen überall zu Boden, wo sie zu hunderten herumliegen.
Es geht die ganze Strecke zurück und dann weiter nach Norden Richtung Cape York. Bei einigen Camps entlang der Stecke zaubern uns Dingos eine ordentliche Gänsehaut auf den Rücken. Man wird im Zelt nachts wach, hört dieses laute Heulen. Ein Klang der so durch und durch geht, manchmal nur wenige Meter entfernt. Normalerweise scheu und relativ ungefährlich veranlassten sie uns einmal sogar zur Flucht ins Auto.
Der eigentliche Track, die kürzeste Strecke, ist noch unpassierbar. Es bleiben uns aber noch Umfahrungswege und somit schießen wir auf endlosen Staubpisten der Spitze entgegen. Am Ziel angekommen belohnt uns ein oft fotografiertes Metallschild und ein paar endlose Strände. Ein Reifen bleibt zurück, nachdem ein Ast die Seite aufreißt. Damit wir für den Rückweg ein fertiges Ersatzrad haben, müssen wir den kaputten Reifen von der Felge hebeln und einen anderen wieder aufziehen. Eine wirkliche Knochenarbeit ohne Maschinen, und wir sind froh das wir jemand finden der uns hilft. Nach ein paar Tagen Strandleben tanken wir in einer den kleinen Aborigine-Gemeinschaften auf und begeben uns auf den langen Rückweg.
Es werden die letzten Kilometer Outback sein, die letzten Kilometer roter Staub, Schlaglöcher, einsame Pisten und endlose Weiten, die letzten Kilometer des anderen Australiens. Die Zeit fängt an zu rennen, und bis Juli werden wir uns durch den Asphalt-Dschungel der Ostküste bis nach Sydney kämpfen. No worries….
pics: (1) bloomfield track; (2) coconut palm; (3) washouts at Portland roads track; (4) chilli beach sunrise; (4+5) daintree rainforest; (6) chilli beach; (7) the tip

Tuesday, 15 April 2008

RICHTUNG QUEENSLAND

12. April. 2008 20:26
S18 00.321 E144 02.717

Zurück in Alice Springs wird alles voll getankt. Tankstellen sind ab jetzt rar. Manchmal 500 km bis zur nächsten, und dann mit Outback-Preisen. Es geht auf Schotterpisten quer durch die Wüste Richtung Queensland. Auf den fast 1000 km bis Mt. Isa kommen uns kaum Fahrzeuge entgegen. In alten Minen und Edelsteinfeldern suchen wir— Ja, wir suchen, und manchmal wissen wir gar nicht was. Hauptsache es glitzert. Aber es findet sich etwas. Ein paar kleine Granate, etwas Zirkon, Rauchquarz und Topaz.

Irgendwo im Nirgendwo füllen wir gerade den letzten Kanister in den Tank und machen ein paar Fotos, da umschwirrt uns ein kleiner, zweisitziger Helikopter und landet 10 Meter vor mir. Dieser treibt gerade ein paar Rinder zusammen und hatte den roten Kanister von oben gesehen.
„… hey `going? You’re right? Running out of fuel, mate?..“
Ich versichere Ihm, dass alles bestens ist und wir nur nachtanken. Ich frage, ob er mich vielleicht für ein paar Bilder kurz mit hochnimmt. Ist natürlich kein Problem. Auf dem 2. Sitz ist sein Swag festgeschnallt. So eine rießen Rolle (Die typisch australische Schlafsack-Matratzen-Kombi) Der fliegt kurzerhand in den Dreck und ich zwäng mich rein. Unten in der Ecke klemmt sogar noch ein Hund. Schaut etwas übel zu mir hoch. Keine Tür, nur ein Gurt. Wie eine Rakete schießen wir nach oben. Man merkt dass er gern fliegt. Die kostenlose Hubschrauber Safari mitten im Outback. Inklusive Rinder jagen. Nicole darf auch noch eine Runde mit, dann geht es wieder weiter.
In Urandandi [S21 36.551 E138 19.045] genießen wir ein kaltes Bier und wundern uns wie man an so einem Ort leben kann. Ein bisschen quatschen mit den „locals“ und der trockene Humor einiger Aborigines lässt die Zeit verfliegen.
70 km vor Mt. Isa erreichen wir wieder befestigte Strassen und es wird wieder grün. Aber nur unterm Auto. Kühlerflüssigkeit. Da sprudelt etwas und ich will es gar nicht glauben. Der Kühler, mal wieder.
Kühler-Story Nummer 3
...für die Interessierten - und ich will es versuchen kurz zu machen.
Es ist nicht nur der Kühler kaputt, nein es ist auch noch Freitag. Freitagnachmittag. Suuuuuper. Wir verbringen das Wochenende an einem recht leeren Stausee und stürzen uns am Montag in den Werkstatt- und Telefonkrieg. Es ist wieder ein Garantiefall mit dem nunmehr 2. neuen Kühler und wir sind so richtig sauer. Natürlich will keiner davon etwas wissen, weil nicht hier gekauft. Der Hersteller telefoniert auch nicht so gern und wird recht pampig. Letztlich bekommen wir diesmal keinen neuen, sondern eine kostenlose Reparatur. Ich darf mal wieder alles ausbauen. Vor der Werkstatt in der prallen Sonne. Der alte Kühlerbauer kennt das Problem, schüttelt mit dem Kopf und lötet das Ding in alle Einzelteile auseinander und wieder zusammen. Ein ganzer Tag geht dabei drauf. Verstärkt, gedichtet und lackiert soll er nun ewig halten, aber alle sind sich einig: Alle Kühler dieses Herstellers sind Mist, sofern man nicht die Einzelteile kauft und selber zusammenlötet. Es gibt aber nur diesen einen und deswegen: viel Glück!
pics: (1) bulldust holes; (2+3) helicopter safari; (4) somewhere..

Saturday, 22 March 2008

DAS ROTE HERZ

S42 13.709 E148 15.882
21. März 2008 22:46

…Wir arbeiten noch 2 Wochen auf Crab Claw Island. Extreme Regenfälle spülen ganze Straßenteile weg. Einzige Zufahrt ist nun ein Allrad Buschtrack, der für Notfälle gedacht ist. Nach dem letzten Cyclone müssen wir diesen aber erst mit Kettensägen von umgestürzten Bäumen befreien. Das Angeln ist wieder fantastisch und wir werden auch gut durchgefüttert. Schließlich reißen wir uns endlich von Darwin und den Tropen los und nehmen Kurs auf das rote Herz Australiens - Die zentralen Wüsten und die MacDonnell Ranges. Heute werden wir die letzten Besorgungen in Alice Springs machen und uns dann auf die staubigen Pisten stürzen…

Die Kilometer vergehen wie im Fluge. Innerhalb von Stunden haben Buschland, Grassteppen und roter Staub das Grün der Tropen abgelöst. Von einem Extrem ins nächste. Waren es gerade noch gute 100% Luftfeuchte sind es jetzt fast null. Die Nächte sind kühl und klar - im Schlafsack verkrochen und mit 1000 Sternen überm Zelt. Auch die vielen Mücken sind fast verschwunden. Dafür quälen einen Millionen respektloser Buschfliegen. Augen, Nase, Mund und Ohren – überall. Hat man eine verscheucht, kommen 10 andere. Auf dem Rücken machen sich es die restlichen 100 gemütlich.
Es ist unsere kleine „Hauptattraktions-Runde“. Zumindest wird dies überall so beworben. Kings Canyon [Watarrka] , Ayers Rock [Uluru] und die Olgas [Kata Tjuta]. Auch wenn wir uns über staubige Pisten von hinten anschleichen um dem breiten Highway samt Reisebussen zu umgehen – vor Ort erschlägt uns der bunte Wahnsinn. Aus dem Boden gestampfte Ressorts und ein „no camping“ Schild an garantiert jeder Ecke. Ganze Horden von Reisegruppen, lautstarke Backpacker-Safaris, Mietwagen und Campervans. Mittendrin statt nur dabei.
Den Ressorts kann man entgehen – den Leuten nicht.
Trotzdem hat jeder dieser drei Orte eine überwältigende Schönheit. Stellenweise kann man diese sogar fast allein inhalieren. Viele der großen Gruppen verzichten auf die längeren Walks und sind genauso schnell weg, wie sie gekommen sind. Sie sehen nur die Hälfte und bezahlen das Doppelte.
Wenn man zum wirklich imposanten Sonnenuntergang am Ayers Rock fährt, weiß man: man ist nicht allein. Es gibt sogar Sektbuffet vorm Bus mit Blitzgewitter von Digitalkameras
Wenn man zum wirklich imposanten Sonnenaufgang zum Ayers Rock fährt, früh gegen halb 6, denkt man: so viele können es nicht sein...
Ca 200 dachten das Selbe.

Pics: (1) Arbeitsauto gewässert; (2) Abendbrot – Great Trevalley; (3) Stumfront; (4) einsammer Dingo; (5+6) Devils Marbels Cons. Reserve; (7) Uluru sunset; (8) Uluru sunrise

TASMANIEN TEIL II

S42 13.709 E148 15.882

…nach dem South Coast Track in Tasmanien brauchten wir erst einmal wieder etwas zum entspannen.
So schön und abenteuerlich vieles klingt, es ist nicht immer einfach unterwegs. Egal wo man ist und was man macht. Nicht alle Torturen werden sofort belohnt. Ob Backofenhitze, Kälte oder dauerfeuchte Sachen, Autopannen, Geldmangel, Autoenge, Streit, einfach fertig sein oder täglich umziehen – natürlich gibt’s unterwegs auch miese Tage und das soll hier nicht fehlen. Die Rucksacktour durch Tasmanien war unbeschreiblich schön, keine Frage. Doch gerade dieses Langstreckenwandern oder Trampen zehrt auch an den Kräften. Man hat immer seine 20 Kilo auf dem Rücken, egal bei welchem Wetter. Kein Auto was alles trägt oder wo man sich zurückziehen kann. Wenn es regnet, steht man im Regen. Manchmal Stundenlang, wenn es mit dem Trampen gerade nicht klappt. Zwei so triefend nasse Rumtreiber mit nem ganzem Haushalt auf dem Rücken nimmt nicht jeder sofort mit. Oder die Elemente spielen mit einem. Tasmanien ist bekannt für 4 Jahreszeiten in einem Tag. Kaum rüstet man sich gegen Regen oder Kälte mit teurer Outdoor-Bekleidung, prasselt die Sonne von oben und die Brühe läuft einem innen lang. Wutausbrüche provozieren tiefe Äste oder umgestürzte Bäume. Der Rucksack ist höher als der eigene Kopf und irgendwas bleibt immer dran hängen. Man hängt fest, rudert wie ein Idiot mit den Armen, verflucht den Baum und alles ringsum und wuchtet das schwere Ding dann doch endlich wieder frei. Erst nachher lacht man über all diese Dinge und die Erlebnisse werden unvergesslich.

Jedenfalls waren wir unterwegs zu einer Halbinsel mit schönen Stränden zum „ausruhen“ – da geht die komplette Kameratasche verloren. Beim Trampen in aller Eile in einem Auto vergessen. Oder schon beim Einsteigen liegen gelassen? Kamera, Objektive, Bilder, Pass, Führerschein, alle Speicherkarten und MP3 Player. Alles weg. Fahrer unbekannt. Irgendwo in Tasmanien. Herzklopfen… Wir wussten nur, dass der Fahrer noch nicht lange in dem Ort lebt, in dem er uns abgesetzt hatte. Kein Name, kein Nummernschild. Die Frau von der Tankstelle wo wir ausstiegen hatte ihn schon einmal gesehen, sonst nichts. Sie hilft Nicole mit einigen Telefonaten mit umliegenden Polizeistationen. Ich bin weg – hetze alle Straßen ab, in der Hoffnung „Ihn“ zu finden. Ist die Tasche noch im Auto oder 100 km zurück am Straßenrand? Die Polizei am „Startort“ sucht inzwischen alles nach Daniels Kamera ab – keine Spur. Ich fahre mit der lokalen Polizei jedes Haus ab, in der Hoffnung, das Auto wieder zu finden - nichts. Notcamp am Strand. Die Hoffnung fast weg, der Urlaub stimmungsmäßig gelaufen. Der letzte Versuch: Ich frage abends im Pub den Leuten Löcher in die Bäuche. Ein Mitarbeiter kann sich wage vorstellen, wer es sein könnte, und strapaziert die eignen Telefonkosten. Irgendwann ist ein Mann dran, der sich sicher ist, zwei German Backpacker mitgenommen zu haben und er findet noch mit dem Telefon in der Hand die Kameratasche hinterm Fahrersitz. Was für ein Gefühl. Wir treffen uns auf ein-zwei Bier im Pub. Jeder ist happy. Er ist nun bekannt wie ein bunter Hund und der Urlaub ist gerettet. Früh schenken wir der Frau von der Tankstelle noch Pralinen für ihre Hilfe und trampen weiter Richtung Freycinet Peninsula – ein Nationalpark auf einer Halbinsel.

Fernab der vielen Tagestouristen verbringen wir ein Woche an einem kaum besuchten, entlegenen Strand. Badewetter. Das Wasser ist kristallklar und recht kalt. Opossums machen uns nachts das Zelt unsicher und kleine Kängurus kommen zum anfassen nahe. Als Gourmet gibt es oft große Miesmuscheln, die überall an den Steinen wachsen, und frittierte Tintenfischringe. Ein schöner Abschluss für Tasmanien. Von Hobart geht es wieder zurück in die Tropen nach Darwin. Temperatur und Luftfeuchte erschlagen uns schon am Flughafen. Die Regenzeit in vollem Gange. Wir machen uns triefend auf in Richtung Crab Claw Island. Zurück zum Auto. Hoffentlich hat der Rost es noch nicht aufgefressen…
Pics: (1) Cooks Corner - Freycinet NP; (2+3) Wallaby füttern; (4) roter Seestern am Strand; (5) Rückzieher

Monday, 4 February 2008

TASMANIEN

..die Arbeit in Crab Claw Island war am 4. Jan. beendet. Sturm und Regen gab es nachts reichlich. Man freute sich auf Cocktails, Hotel und lecker Essen. Die Abschlussfeier stand auf dem Programm. Waere da nicht Helen gewesen. Cyclone Helen. Die unbefestigte Strasse nach Darwin war bis 1,2 meter unter Wasser. 5 Fluesse gab es zu durchqueren. Wir haben Stunden gewartet bis das Wasser etwas fiel und wir eine Durchfahrt riskieren konnten. In Darwin gabs dann offizielle Cyclone Warnung ueberall. Die Stadt wie leergefegt. Helen schwaechte aber zum Glueck auf Kategorie 2 ab und streifte Darwin nur am Rand. Ein bischen Gaensehautfeeling ist schon dabei. Der naechste Tag zeigt ausgerissene Baeume und liegende Palmen. Crab Claw hat es auch erwischt.
Wir wuenschen dem Auto gutes Wetter dort, denn es sind Fluege gebucht fuer Tasmanien. Urlaub im Urlaub. Betty bleibt in Crab Claw Island zurueck und wir fliegen mit vollen Rucksaecken Richtung Hobart. 5 Wochen haben wir Zeit. Nach 2 Tagen befinden wir uns schon auf dem South Coast Track. Wildernis pur. Man koennte es mit Norwegen vergleichen. 85 km Track durch kuehle Regenwaelder, Fluesse, Berge und Moorfelder liegen vor uns. Das Ziel ist Melaleuca, eine einsamme Landebahn im Nirgendwo und abseits ein paar Straende der Suedkueste. Dort lassen wir uns eine vorher gepackte Essenskiste per Leichtflugzeug absetzen. Die Landschaft ist atemberaubend. Nur die vollbepackten Rucksaecke mit Essen und Ausruestung sind gewoehnungsbeduerftig. Wasser gibt es direkt aus den Baechen. Wegen dem Gewicht ist das Essen nicht gerade deluxe, und wir sind noch vom letzten Monat verwoehnt. Man traeumt vom Kuehlragal im Supermarkt und frischem Obst. Nach fast 3 Wochen Wildnis lassen wir uns mit einer 30 Jahre alten, 4 sitzigen Cessna von Melaleuca nach Hobart zurueckfliegen. Wir wohnen bei Leuten, die wir unterwegs kennengelernt haben. Morgen starten wir wieder mit Zelt und Winterschlafsack in einen anderen Nationalpark. 2 Wochen sind es noch, dann sitzen wir wieder in den Tropen bei 30 grad. Flip Flops statt Wanderschuhe. Man freut sich drauf..


pics: (1) Surprise Bay; (2) Pademelon; (3) Ironbound Range; (4) Point Eric; (5) New Harbour; (6) Melaleuca airstrip; (7) Federation Peak from top

Friday, 21 December 2007

CRAB CLAW ISLAND

S12 42.437 E130 37.316
18. Dez. 2007 15:12


..Sicher waren wir uns nicht. Das Angebot in der Zeitung klang gut, und nach dem ersten Anruf noch besser. Ein absolut einsamer Resort, 130 km von Darwin, Arbeit für einen Monat, 400 Dollar pro Woche für jeden (after Tax), freies Essen und freie Unterkunft. Mehr wussten wir nicht. Es gibt mehrere Bewerber und wir sollten auf Rückruf warten. Der kam einen Tag später. Dresden gewinnt..

Wir sind nun schon eine Weile hier und uns einig, dass wir so schnell nichts Besseres hätten finden können. Es ist nichts in der Branche, und sicher kann man in Darwin weit mehr verdienen. Aber es ist die perfekte Komplettlösung. Crab Claw Island ist ein winziger Resort auf einer Halbinsel direkt am Meer. 24 kleine Bali-Style Standhäuser auf Stelzen, verbunden durch Stege. Ringsrum Strand, Mangroven, Palmen und nichts weiter. Kein Ort, gar nichts.
Wir haben ein eignes Haus mit Klimaanlage, Kühlschrank und Terrasse. Das Essen ist nicht einfach nur frei. Es gibt alles und soviel man will. Wir können jederzeit nach Lust und Laune in die Restaurantküche spazieren. Der Chefkoch versorgt einem nach Wunsch persönlich und der immer randvolle Kühlraum lässt wirklich keinen einzigen Wunsch offen. Man ist früh-mittags-abends pappensatt. Alles mit Meerblick.
Kleine Boote vor Anker, Gezeiten, Wetterspektakel mit gewaltigen Gewittern, Kängurus die auf Toastbrot scharf sind und eine lustige 10-Mann Crew.

Wir sind der Roomservice, machen die kleinen Häuser vor und nach dem Check in fit, reparieren Kleinigkeiten und passen auf, das die Bar nicht wegläuft. Das lustige: Es ist Off-Saison und in der Woche ist fast kein Mensch hier. Das bedeutet: bezahltes Angeln gehen, bezahltes Vollfressen, bezahltes Boot fahren, bezahltes irgendwas.
1-2 Tage die Woche sind generell frei. Sonnabends bis montags ist dann dafür kein Land zu sehen. Weihnachten wird richtig stressig. Alles ausgebucht und viel los.

Was vor einer Weile die Baumfrösche waren, sind jetzt die Cane Toads. Die riesigen, giftigen Aga-Kröten, die selbst geschaffene Pest Australiens, sind nach Sonnenuntergang überall. Trotz der Warzen doch recht liebenswert, auch wenn 10 davon in der Dusche sitzen. Ein Spaß, den sich ein paar Gäste gemacht hatten.
Das Meer ist natürlich wieder nicht zum Baden geeignet, was bei diesem Anblick schwer fällt. Nicht nur die Quallen gibt es hier, es sind auch Krokodile, die hier vorbeischwimmen, und jede Menge Haie. Deswegen gibt’s 2 große Pools.
Aber das Angeln ist spektakulär. Viele Profiangler buchen einen Guide und kommen nur deswegen hierher. Es ist einer der absoluten Top-Spots um Darwin.
Gestern waren wir mit einem kleinen Boot draußen, wo uns eins der schweren Gewitter erwischt hatte. Bei strömendem Regen, Blitzen und Wellen mitten auf dem Wasser. Es ist überwältigend, was hier manchmal vorbeizieht. Die dunklen Wolken lassen den Tag zur Nacht werden und es regnet so stark, das binnen Minuten alles überschwemmt ist. Doch in dem kleinen Boot war uns schon etwas anders. Nichts wie weg. Bei vollem Tempo kracht das kleine Alu-Boot von einem Wellenberg zum nächsten, lässt einen ständig „abheben“ und wieder auf die harte Bank knallen. Der Angelkoffer im Boot verteilt, Rettungswesten unterm Arsch, Donner im Rücken und Salzwasser von vorn. Die kleinen Abenteuer die man nicht vergisst..

Wir werden hier bis 5. Januar bleiben und über Weihnachten und Silvester durcharbeiten. Es wird auch gehoben bezahlt. Danach schließt der Resort bis März und wir sind auf die Jahresfeier der Crew eingeladen. Mit mehrtägiger Hotelunterkunft in Darwin, Essen und Feiern und organisierten Überraschungen in der City. Im Januar werden wir dann wieder in unser Auto umziehen und uns auf den langen, staubigen Weg nach Alice Springs und die Mac Donnell Ranges machen. Die Wüsten stehen auf dem Plan, Gold und Halbedelsteine suchen in alten Minen, und die kühle Südküste, die uns über die Regenzeit bis März bringt..

Ich wünsche euch allen `ne schöne Weihnachtszeit und ein paar ordentliche Feten zu Silvester. Ich hoffe ich habe ein paar Träume und ein Schmunzeln geweckt und würde mich mal über ein kleines „piep“ der Leser bei den Komments freuen. Ich wünsch euch allen das Beste.


liebe Grüsse & bis bald...

Der Daniel

Pics: (1) Meerblick mit Gewitterfront; (2) Python; (3) Krabbe vorher; (4) Krabbe nachher (5)vor dem Regen (6) nach dem Regen


DARWIN

23. Dez. 2007 14:12
S12 42.437 E130 37.316


Aus dem Dschungel in die Tropenmetropole. Darwin ist erreicht.
Über 2 Wochen hält uns die Stadt fest. Der kostenlose Internetzugang in der State-Libary stillt alte Suchtgefühle, die Kühlregale und Obsttheken sind nach dem Buschleben äußerst interessant und es gibt viel zu erledigen. Auch das Auto bekommt wieder ein bisschen Fürsorge.
Im Darwin Royal Hospital bekomme ich nun auch die Befunde von meinem Krankenhausbesuch vor ein paar Wochen. Bis auf die üblichen kleinen Macken kerngesund. Fein..
Nächster Morgen: Geburtstagsfrühstück am Stand. Nur das Wasser ist tabu. Die hochgiftigen Würfelquallen befreien von Oktober bis Mai sämtliche Strände von öligen Badegästen.
Überall breitet sich Weihnachtsstimmung aus und zwischen Palmen und brütender Hitze finden sich glitzernde Dekorationen bis hin zu blinkendem Kitsch. Uns ist irgendwie gar nicht danach. Wir schwitzen lieber und besetzen den Shower-Block am leeren Stadtstrand.
Frühstück und Abendbrot gibt es nun fast eine Woche zu viert. Marc aus Neuseeland und Liz aus England sind nicht weniger chaotisch unterwegs als wir. Früh kommt jeder aus seiner „gebührenfreien“ Übernachtungsstelle gefahren, es gibt Brunch am Stand, nächtliche Großwaschaktionen, geteilte Family-Packs leckerer Steaks und während die Frauen ein bisschen chatten, freuen sich die Jungs, dass sie mal zu zweit unter ihren Karren schrauben können.
Beim Roulett im großen Stadtcasino werden 10 Dollar zu 25. Man bekommt ein Lächeln vom Nachbarn, der mit Tausenden rumzockt, und geht mit 10 Dollar wieder raus, weil man nicht aufhören kann. Auch die Art Gallery mit einer Cylone-Tracy-Ausstellung ist sehr empfehlenswert. In einem absolut dunklen und schalldichten Raum kann man den Originalton in Originallautstärke des alles vernichtenden Cyclons (1974) hören. Gänsehaut garantiert.
Da es besonders zur Regenzeit überall an Arbeitskräften mangelt und wir noch keine Pläne für die Weiterfahrt haben, begeben wir uns auf Jobsuche.
Wir haben sogar 2 Transportmittel. Seit einer Weile verstopft ein gefundenes 26er Mountainbike die 4-Rad Wohnstube, was oft Wutausbrüche provoziert aber doch ans Herz gewachsen ist. Allerdings ist die kurzfristige Unterkunft in der Stadt ein Problem. Wir haben eine Hostel-Phobie, der Campingplatz ist zu heiß, ein Zimmer zu teuer und jeden Tag am Stadtrand im Busch zu campieren ist auch keine Dauerlösung.
Doch in der Zeitung findet sich ein fast perfektes Angebot. Nach ein paar Anrufen sind wir eingestellt und es werden die Sachen gepackt für Crab Craw Island

Pics: (1) Darwin-Parlament House; (2) Nachtwaschaktion (3) Weihnachtskitsch (4) Darwin City





Saturday, 1 December 2007

LITCHFIELD

19. Nov. 2007 23:27
no GPS (place too beautiful ;-)

Hatte ich schon mal geschrieben dass es heiß ist? Das war ja noch gar nichts. Jetzt ist es auch noch feucht dazu. Stolze 100%. Wir sitzen jetzt im Regenwald, der seinen Namen hartnäckig verteidigt, und kämpfen mit Feuchtigkeit, Wolkenbrüchen, grünen Ameisen und Blutegeln. Alles was man trinkt läuft einem ein paar Minuten später die Haut runter und ohne Sachen fressen einen die Mücken. Aber trotzdem ist es hier so schön, das man ein paar Unannehmlichleiten gern in Kauf nimmt…

Dieses Pflanzengemenge, dieser rankende Jungle aus Blättern, Wurzeln und Bäumen und Bächen. Ein Traum in grün. Ich könnte mich reinlegen und tu das auch.
Beim ersten Querfeldein-Versuch versinke ich samt Kamera bis zur Brust in einem Bach. Die Tasche hielt das Wasser zum Glück ein paar Sekunden auf und ich lief wie auf Eiern mit ausgepackten, halbnassen Objektiven und Fotokram in den Händen zurück. Noch mal gut gegangen.
Zelt und Auto stehen direkt am Regenwald, 30 Meter weiter steht man mitten drin. Litchfield Nationalpark bietet einige sehenswerte Dinge und wunderschöne Wasserfälle mit Regenwald, die auch gut besucht sind. Doch der unbefestigte Track zu unserem Camp ist in keiner Nationalparkkarte verzeichnet und niemand kommt hier vorbei. Es ist ein Stück Privatland. Bei einem Besuch bei den Besitzern sehen wir ein Kängurubaby, ein Wildschwein und ein Hundewelpen nebeneinander sitzen. Ein schön schräger Anblick.
Es wimmelt von bissigen, grünen Baumameisen, die Zelt, Auto und Plane als Wanderweg beschlagnahmen. Abends tasten sich Blutegel mit ihrer lustigen Gangart am Boden entlang.
Auch eine Fülle skurriler Früchte wächst hier. Von giftig über widerlich bis lecker ist alles dabei. Läuft man 100 Meter durch den Wald, kann man in klaren Bächen baden und es gibt einen „Thermalpool“ – ein natürlicher Pool mit wärmerem Wasser.
Ein Stück weiter ein kühle Dusche unter Wasserfällen. Die gibt es abends auch ohne laufen. Es schüttet förmlich von oben und bei 35grad naksch x2 ist das sehr angenehm.
Fotos: (1) Badewanne; (2) junges Wallaby; (3) Blätterdach; (4) Regenwaldfrüchte; (5) junges Rock-Wallaby (6) Dusche